Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Der Rotbach hieß Varavana

Kleiner Ausflug in die

Ortnamenskunde

Zwillingsgemeinden gibt es viele, z.B. Linzenich-Lövenich, Kirchheim-Hockenbroich, Elberfeld-Barmen. Aber Schwerfen ist eines der seltenen Dörfer, die drei Ortsnamen seit langer Zeit vereinigen: Irnich, Schwerfen und Virnich. Und in allen dreien gibt es eine Burg! Woher stammen diese Namen?

Die „Iche"

Es ist nicht schwierig, die beiden auf „-ich" endenden Orte zu erklären. Sie gehören zu den vielen -ich-Dörfern, die sich besonders in den Kreisen Düren und Euskirchen häufen. Um Zülpich bilden sie sogar einen dichten Kranz, wie Planeten um die Sonne. Vor 2000 Jahren gab es die meisten davon schon. Es sind ursprünglich Gutshöfe, die den Namen des ersten Besitzers enthalten, an den die keltische Silbe -acon angehängt ist. Diese drückt Zugehörigkeit aus, so wie im Platt z.B. die Endsilbe -sche: Dat Ös ene Kölsche — ein Mann, der zum Wohnsitz Köln gehört. Oder die Silbe -er: E Schwervener (Mädsche). Oder das -sch vom Wessenfall (Genitiv): bei Möllesch — auf dem Anwesen von Müllers. Und wie bei dem Beispiel "der Kölsche" das weggefallene Wort "Mann" zu ergänzen ist, so bei dem -acon das keltische Wort für „Gut" oder „Gehöft", oder das lateinische: fundus, bzw. Villa.

Die Römer haben aus dem keltischen — acon ein -(i)acum gemacht, und mit dieser Endung sind uns die Ortsnamen, wenn überhaupt, aus römischer Zeit überliefert Tolbiacum (ZüIpich), Juliacum (Jülich). Irnich und Virnich waren aber damals, wie die meisten anderen -ich-Siedlungen, zu unbedeutend, um aufgeschrieben zu werden, obwohl wichtige Straßen an ihnen vorbei liefen.

Die Güter des Irus und des Verus

Irnich ist frühestens 1375 schriftlich greifbar als „Eyrnich". Damit ist uns wenig geholfen. Jetzt müssen wir die Sprach- und Namensforscher befragen. Kaspers, so heißt ein wichtiger Experte, nennt das Landgut nahe der Römerstraße von Köln nach Trier Irini-acum, das Gut des Irinius. Dahinter soll ein keltischer Name stecken: Irus. Im Süden Galliens, am Fluss Rhone, trägt ebenfalls ein Ort nach einem Irus seinen Namen: Irigny. Vielleicht besuchen ihn die Schwerfener einmal und knüpfen eine kleine Verbrüderung an...

Aber wieso wurde aus Irus Irinius? Dazu sagt der Sprachforscher Weisgerber: Die römische Besatzung kennzeichnete mit der Zusatzsilbe -ini- keltische oder germanische (Ubier) Höfe, die weder einem entlassenen römischen Soldaten noch einem pensionierten römischen Beamten gehörten, sondern alteingesessenen Kelten oder eingewanderten Ubiern. Wenn nun Irus ein keltischer Name ist, dann gab es Iriniacum oder besser: Iriacon schon vor der Eroberung durch Caesars Truppen (um 54 v. Chr.), und dann ist Irnich uber 2060 Jahre alt!

Ähnliches gilt für Virnich. Kaspers erklärt es als Viriniacum, als dem Römer Verinius gehöriges Gut. Wieso Römer? Müsste der Mann dann nicht — nach Weisgerber — Verus (der Wahrhaftige) und der Ort Viriacum, Virich heißen? Oder war dieser Mann ein Kelte, der einen römischen Namen angenommen hatte und nicht als vollwertiger Römer galt? Diesen Nebel können wir nicht lichten. Jedenfalls ist diese Siedlung dann nicht so alt wie Irnich, sondern erst zur Römerzeit gegründet, und die dauerte von ca. 50 vor bis ca. 400 nach Christus. Für die Erklärung „Verinius" spricht übrigens die Tatsache, dass ein L. Verinius als Stifter auf einem Zülpicher Matronenstein steht. Der Mann muss Geld gehabt haben, denn solch ein kunstvoll behauener Stein kostete ein hübsches Sümmchen.

Am sich wälzenden Wasser

„Schwerfen" ist ein harter Brocken für die Namensdeuter, aber zugleich hochinteressant. Die früheste Erwähnung: 1166 Svervena. Mürkens, der hochverdiente Euskirchener Namensforscher, trennt den Namen zuerst in zwei Bestandteile: S — vervena. Das S ist aus Ze entstanden, und diesem Ze geht das altfränkische Te (englisch: to) voraus.

Mein Großvater erzählte gerne Geschichten aus der Heimat seiner Kindheit und begann oft so: „Do wor ene Mann ze Vlatte..." — (Da war ein Mann in Vlatten...) Da haben wir das „ze", als Präposition des Ortes.

Die Siedlung hieß demgemäß nach Mürkens „Vervena", und als die Franken um 450 n. Chr. unsere Region besiedelten, nannten sie den Ort „te Vervena" = in oder an Vervena.

Aber was ist Vervena? Jetzt wird es spannend. Mürkens sieht darin zwei Wörter: Var und Avana — Varavana, aus denen dann im Lauf der Jahrhunderte Vervena gebildet wurde. Es gibt einen Fluss in den französischen Seealpen namens Var, nach dem ein ganzes Department und der Ort Le Bar benannt sind. Da dieses Land von den Ligurern bewohnt war, und zwar schon vor 1000 v. Chr., muss der Flussname also schon über 3000 Jahre alt sein und auf Bauern der Urnenfelderkultur zurückgehen, die gewiss schon damals auch in unserer rechtsrheinischen Heimat gesiedelt hatten.

Sprachforscher glauben auch zu wissen, was Var/Bar bedeutet: sich dahinwälzen, fließen. — Auch zum zweiten Wortteil „Avana" gibt es ein europäisches Gegenstück: Avon, der Fluss, an dem Stratford liegt, der Geburtsort des genialen Dichters Shakespeare. Ava- ist urverwandt mit dem lateinischen aqua = Wasser, das aus abna entstanden ist. Demnach könnte Var-avana „sich wälzendes Wasser" bedeuten. Und dann ist dies der mindestens 3000 Jahre alte Name für unseren Rotbach

Aus Varavana wurde Vervena, dann Vervene und schließlich Werfen. Der gleiche Name für den heutigen Rotbach hat sich wenige Kilometer bachabwärts erhalten, in Dürffenthal. Mürkens sieht darin drei Teile: Dur-werfen-thal (1379 Durfendahl). Die Silbe —thal ist klar. Viele Orte heißen nach dem Tal, in dem sie an einem Fluss liegen. „Dur" erklärt er als spätere fränkische Kennzeichnung des Geländes, als „Dorn", wegen reichlich vorhandenen Dorngestrüpps, vermutlich Brombeeren oder Schlehen.

Oder doch nicht so alt?

Auch wenn das alles sehr schön klingt, dürfen wir nicht verschweigen, dass es noch eine andere Erklärung für Schwerfen gibt, die den Namen erst in der Frankenzeit entstehen sieht. Das ortsangebende Te > Ze bleibt, aber dann folgt „Werben-aha" oder „Werven-aha" — wieder zwei Wörter. „Hverbo" oder „hvervo" bedeutet im Althochdeutschen „Wirbel" oder „Strudel", das Tätigkeitswort „werben" oder „werven" ca. 500 Jahre nach der fränkischen Landnahme im Mittelhochdeutschen „wirbeln", "sich drehend bewegen". „Aha" ist ein germanisches Wort für Wasser oder Bach, von dem aber in unserem nordwestlichen deutschen Gebiet unter 4000 Bachnamen nur 8 vorkommen.

In Oberösterreich gibt es eine Ruine Werfenstein und an der Salzach die Feste Hohenwerfen. Aber da handelt es sich um felsige Täler („Stein"), durch die das Wasser mit großem Gefälle um Gestein wirbelt und Strudel bildet. Solche wenig fruchtbaren Gebiete waren kein Bauernland wie das Schwerfener. Es ist also unwahrscheinlich, dass den fränkischen Siedlern unser Rotbach wegen seiner starken Strudel auffiel, zumal die Felsen am Ufer fehlen. Auch das Gefälle ist so groß nicht, dass sich Strudel bilden. Wenig wahrscheinlich ist auch, dass das „h" in „aha" verschwunden ist. Müsste nicht eher der Bachname Wervenach(e) lauten, wenn diese Erklärung stimmt? Nein, wir bleiben bei der „ligurischen" Deutung.

Wie ein flüchtiger Verbrecher

Werfen wir zum Schluss noch Blicke rotbachauf- und abwärts. Oberhalb Eicks heißt er Bruchbach, und südwestlich Glehn verliert sich auch dieser Name und es gibt nur noch die drei Zuflüsse Schliebach, Schossbach und Eselsbach Auch am Unterlauf hat er in früheren Jahrhunderten mehrfach die Namen gewechselt wie ein flüchtiger Verbrecher. Der Name der Lauvenburg an seinem Ufer bei Nernmenich enthält ein keltisches oder noch älteres Wort: „Luva", das mit dem keltischen „lavo"=Wasser zusammenhängt und auch in Liblar (Luva-lar) und der alten belgischen Stadt Loewen (Luv-ana) steckt. Auf diese Keltenzeit weist übrigens auch der Schwerfener Flurname „In den Löwen". 1440 wird dort ein Bach „Löwe" genannt, also auch eine Luva. - Im Lechenicher Gebiet hat der Rotbach „Laach" geheißen, wie der Laacher Hof in seiner Nähe heute noch bezeugt.

Varavana

Wir Rheinländer tragen in unseren Genen das Erbe der Franken, Ubier, Eburonen (Kelten), Ligurer, Urnenfeldleute, Bandkeramiker, Michelsberger Bauern und namenloser Steinzeitjäger, ohne es genauer zu wissen. In unseren hunderte und tausende Jahre alten Fluss-, Orts- und Personennamen aber lebt diese Geschichte fort, und ein bisschen können wir sogar darüber wissen, z. B über den alten

Namen unseres Rotbachs. Halten wir also fest:

Schwereve bliev — Ze Varavana!

Benutzte Literatur.

  • Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde, Band Il, 1 und 2: Die deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1952, 2. unveränderte Auflage 1981

  • Mürkens, Gerhard: Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen, Euskirchen 1958

Schwerfen

Quellennachweis: Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Archiv der Kirchengemeinde St. Dionysius, Zülpich-Schwerfen

Lageplan von Schwerfen

Tranchot 1808, Ausschnitt Schwerfen

Tranchot 1808, Ausschnitt Schwerfen

Katasterkarte Schwerfen, Flur 28,
1830, Ergänzungen bis 1871
(Kreisarchiv Euskirchen)

Schwerfen ist ein mehrzeiliges Straßendorf am westlichen Hang des Rotbaches, von dem hier der mittelalterliche Mühlengraben abzweigt. Dem erhöht liegenden älteren Teil des Dorfes mit der Pfarrkirche St. Dionysius steht der jüngere Teil im Umfeld der spätmittelalterlichen Gülichsburg gegenüber, die ihrerseits in der Gabelung der Bäche angelegt wurde — wenn nicht sogar der Abzweig des Mühlenbaches aus Anlaß des Burgenbaues vorgenommen worden ist. Im Zusammenhang mit Schwerfen stehen die Ortslagen bzw. Burgen Irnich (l km westlich) und Virnich (1,5 km östlich), die wie Schwerfen zum Oberamt Nideggen im Herzogtum Jülich gehörten, aber Privilegien als landtagsfähige Rittersitze genossen. Dem Namen nach kann Schwerfen eine fränkische Gründung sein — dafür sprechen auch die hochwasserfreie Lage an einem Bachlauf und das Patrozinium der Kirche; andere Deutungen des Namens aus jungsteinzeitlichen Sprachquellen bedürfen genauerer Untersuchungen.

Zuerst genannt wird Schwerfen im 12. Jh.; 1147 und 1166 urkunden Angehörige des Ortsadels als Zeugen. Bereits 1229 wird Schwerfen als Pfarrei bezeichnet, wenn auch erst aus dem 14. Jh. ein größerer Kirchenbau überliefert ist, dessen Überreste in den Neubau von 1891 —93 einbezogen wurden.

Unterhalb der Kirche entwickelte sich das Dorf, im wesentlichen aus dem Besitz der Herren von Hengebach an Jülich gekommen und im Jülicher Staatsverband bis 1794, vermutlich um den hengebachschen Herrenhof, den späteren jülichschen bzw. kurpfälzischen Fronhof. Die separat gelegene, im Kern spätgotische Gülichsburg, eine typologisch eindeutig spätmittelalterliche Anlage, mag Stammsitz der von Schwerfen gewesen sein, läßt sich aber als Jülicher Lehen nur bis 1365 zurückverfolgen. Ihre Inhaber gelangten nicht, wie die Konstellation Burg-Dorf es zumindest als Intention erscheinen läßt, zur Ortsherrschaft; auch wurde die Burg kein landtagsfähiger Rittersitz; ihren heutigen Namen verdankt sie Engelbert von Gülich, der sie seit 1638 besaß. Die kleine wohlerhaltene Burganlage dominiert mit ihrer reizvollen Gebäudegruppe bis heute den umgebenden Dorfbereich. Weiterer verstreuter Adelsbesitz zu Schwerfen verhinderte, daß sich ein Übergewicht zugunsten eines einzelnen bilden konnte; größere Höfe entstanden nicht. Ort und Burgen gehörten zum jülichschen Hochgericht auf dem Schievelsberg, seit 1555 in Enzen.

1807 wurde die Pfarre unterdrückt und erst 1834 wieder eingerichtet; sie erhielt 1886 das bestehende Pfarrhaus und 1891 die neue Kirche. Grundform und Straßenführung des Ortes haben sich seit der ersten Kartierung von 1808 nicht wesentlich verändert; die damalige Bebauung von meist noch getrennt gelegenen Winkel-, Drei- und wenigen Vierseithöfen wurde allerdings während des 19. und 20. Jh. erheblich verdichtet. Heute stellt sich der Ortskern zwischen Kirche und Burg zwar noch einigermaßen maßstäblich erhalten dar, auch folgen die neueren Bauten zum größten Teil noch der vorgegebenen Straßenflucht, aber das Schließen der Baulücken und moderne Überformungen haben wenig historische Substanz verschont.

Ein optisch wirksamer städtebaulicher Zusammenhang kann von den isolierten denkmalwerten Bauten, einigen Fachwerkwohnstallhäusern des 17. und 18. Jh. und zwei größeren Fachwerkhöfen des 18. Jh., nicht mehr ausgehen, zumal die Ortsgestalt durch Nachkriegsneubauten rund um den alten Kern ganz zersiedelt ist.

Ihre für die Region seltene historische Alleinlage bewahrt hat die ehemalige Wasserburg Irnich mit dem gleichnamigen Weiler; die geringe Entfernung (350 m) zur westlich vorbeiführenden Römerstraße sowie römische Mauerreste in der Nähe sprechen für ein höheres Alter der lokalen Besiedlung, als es für Schwerfen anzunehmen ist.

Als Reifferscheider Lehen 1229 bezeugt und später unter Jülicher Landeshoheit, gibt die Burg im 14. Jh. dem hier ansässigen Adelsgeschlecht den Namen. 1454 gelangt Irnich an die von Berg, auf die der Kern der noch bestehenden Anlage zurückzuführen sein dürfte.

Weiler und (ehemalige) Burg Virnich haben keine denkmalwerte historische Bausubstanz mehr aufzuweisen.

Die 1860 niedergelegte und durch einen heute ruinösen Bauernhof ersetzte Wasserburg war seit dem 14. Jh. Sitz eines gleichnamigen Adelsgeschlechtes, das im Lehensverhältnis zu Jülich stand. Von etwa 1500 bis 1870 war der landtagsfähige Rittersitz den Herren von Mirbach gehörig; die Ländereien wurden im 19. Jh. parzelliert.

Katasterkarte Schwerfen, Flur 28,  1830, Ergänzungen bis 1871  (Kreisarchiv Euskirchen)
Image

Gülichsburg

In der Nachfolge eines Adelssitzes der von Schwerfen spätestens im 14. Jh. zur Burg ausgebaut; Jülicher Lehen im Besitz der von Berg (14. Jh.), spätere Besitzerfolge nicht eindeutig feststellbar; 17. Jh. von Kaldenbach, 1638 Engelbert von Gülich (seitdem Gülichsburg genannt); nach wechselnden bürgerlichen Eigentümern im 19. Jh. seit 191 1 in der Familie des derzeitigen Eigentümers als landwirtschaftlicher Betrieb.

Image
Image

Hauptbausubstanz Wohnhaus um 1500 (westliche Hälfte), 1785 (östliche Hälfte), Wirtschaftstrakte 1830; wenige moderne Veränderungen

Image
Image
Image

Einteilige kleine Burganlage von vier Flügeln um einen fast quadratischen Innenhof, ehemals von breiten Wassergräben umgeben, diese vom Mühlenbach gespeist; neben der Zufahrt von Südosten liegt das Wohngebäude als Südostflügel. Das ehemalige Burghaus besteht aus zwei aneinandergebauten Teilen unterschiedlicher Bauzeit; beide zweigeschossig, Bruchstein mit Buntsandsteingewänden; westliche Hälfte um 1500, in der Außenwand ein originales quergeteiltes Fenster und Erkerkonsolen erhalten: der hohe über die Traufe gezogene Kamin heute stillgelegt; die Stichbogenfenster 2. H. 18. Jh.; in der Giebelwand zwei kleinere Rechteckfenster (das obere original); Hofseite mit zwei originalen quergeteilten Fenstern und erneuertem Erdgeschoßerker; Portal von 1785; im Inneren vom gotischen Bestand erhalten die Ankerbalken und anders verwendete Kaminkonsolen ; vollständig erhaltener spätgotischer Dachstuhl. Östliche Hälfte 1785 (Datierung in der Wetterfahne) über älteren Fundamenten errichtet; je zwei Achsen stichbogiger Fenster mit Keilstein; an der einachsigen Nordostwand Ansätze einer Tormauer; innen weitgehend originale Aufteilung; bemerkenswert ein kleiner Saal mit Papiertapeten des 19. Jh.; Dachstuhl des 18. Jh. Am Wohnhaus eingeschossiger Anbau vor die Südwestgiebelwand gesetzt„um 1920. Die drei Wirtschaftstrakte 1830 (Datierung über dem Tor der Scheune) überwiegend aus Bruchstein neu erbaut anstelle einer gleichartigen Vorgängeranlage; Hoffronten durch moderne Umbauten teilweise erheblich verändert; Hoffront der Remise Fachwerk, zwei Einfahrten; nach Nordwesten und Nordosten Anbauten unter Pultdach, ohne Denkmalwert.

Zugehörig das Areal der trockenen (ehemals wasserführenden) Gräben und Freiraum zur umgebenden Bebauung als Hinweis auf die ursprüngliche Freilage; zur Straße Begrenzungsmauer.

Die Gülichsburg ist noch sehr anschaulich als Typ der kleinen einteiligen Ackerburg mit ungewöhnlich viel originaler Substanz erhalten.

Image

Burg Irnich

Gründung wohl im 14. Jh. am Ort einer sehr alten Einzelhofsiedlung vorrömischen Ursprungs; im 15. und 16. Jh. Besitz der von Berg zu Blens und Dürffenthal; seit 1491 Bock von Lichtenberg, 1555— 1789 von Holtrop; später Freiherren von Proff; der ehemals landtagsfähige Rittersitz heute landwirtschaftlicher Betrieb

Hauptbausubstanz des Wohntraktes 15.-18. Jh. mit wenigen Veränderungen des 19. Jh., der Wirtschaftsgebäude 18. und 19. Jh. mit erheblichen mittelalterlichen Bestandteilen.

Image
Image

Der Typus der einteiligen vierflügeligen Burganlage um einen Innenhof ist anschaulich erhalten, alle Gebäude im Kern mittelalterlich bzw. auf mittelalterlichem Vorgänger erneuert; die Gräben der ehemaligen Wasserumwehrung sind im Gelände noch ablesbar, aber meist trocken; Baumaterial Bruchstein mit Buntsandsteingewänden, Fachwerk.

Image

Der Südflügel enthält den Wohnbau und das Torhaus; westlicher Teil (heute Schuppen) ehemaliges zweiteiliges Burghaus mit den Ansätzen eines sechsjochigen zweischiffigen Kreuzgratgewölbes im Erdgeschoß und Resten originaler Wandaufteilung im Obergeschoß; der gotische Türsturz mit Inschrift im Ostflügel von diesem Bau.

Image
Image

Der Mittelteil im 18. und 19. Jh. erneuert unter Verwendung älterer Außenmauern; in der Südwand Reste eines Quersprossenfensters und eines Aborterkers, die Rechteckfenster sonst alle I. H. 19. Jh.

Ostteil 16. Jh., Südwand Bruchstein mit großen Kreuzstockfenstern im Erdgeschoß und fein profilierten gekuppelten Rechteckfenstern im Obergeschoß, Schlüssellochscharten in der Sockelzone; die Hofwand aus kräftigem Fachwerk in Stockwerksbauweise, Fenster meist später vergrößert, einige Originalöffnungen noch ablesbar; die schweren eingehälsten Ankerbalken können eine Galerie getragen haben; in der Ostwand Spuren eines gotischen Kamins; innen Sandsteinkamin von 1732.

Der ganze Baukörper unter einem einheitlichen Satteldach mit Dachstuhl des 18. Jh. Zweigeschossiger Torbau des 15. Jh. mit rundbogiger Durchfahrt, Zugbrückenblende; im Obergeschoß zwei halbrunde Wehrerker auf Konsolen; über der Durchfahrt das Wappen Berg/Blens; das Wappen Holtrop, von kleinem Löwen gehalten, zwischen zwei Rechteckfenstern; der Giebel mit Taubenfluglöchern wohl später; im Verlauf des 18. Jh. wurde ein abgewalmtes Satteldach aufgebracht und die — teilweise gekappten — Wehrerker mit überdeckt.

Ostflügel der Wirtschaftsgebäude im 19. Jh. auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Vorgängerbaues als eingeschossiger Stalltrakt erneuert, hofseitig ein spätgotischer Türsturz mit Inschrift in Zweitverwendung, im Südgiebel ein Stein mit Inschrift "1566" eingesetzt.

Westflügel weitgehend erneuert, nuir Teile der Bruchsteinmauern alt.

Nordflügel im 18. Jh. als große Fachwerkscheune über älteren Fundamenten neu erbaut, in Gerüst und Dachstuhl gut erhalten; einbezogen der spätgotische Nordosteckturm auf einseitig abgeflachtem Kreisgrundriß, mit originalen Öffnungen.

Zugehörig das Areal der ehemaligen Grabenanlage sowie das östlich der Zufahrt gelegene Gelände als Standort ehemaliger Vorgebäude (Mauerreste im Boden).

Image
Image
Image
Image
Image
Image

Kath. Pfarrkirche St. Dionysius

1891—1893 Theodor Kremer, auf Resten des 14. Jh.

Neugotische, dreischiffige Stufenhalle in vier Jochen mit mittelschiffsbreiter Vorhalle, eingezogenem Polygonchor auf Sokkelmauerwerk des 14. Jh., dreigeschossigem Turm im nördlichen und Sakristei im südlichen Chorwinkel; Bruchstein mit Sandsteingliederungen; spitzbogige Maßwerkfenster zwischen flachen Strebepfeilern; auf der Südseite Treppenturm, in der Westwand große Spitzbogenblende mit Portal und Rosenfenster; der kubische Turm mit Giebelkranz und achtseitiger hölzerner Helmpyramide; im Chor und Vorchorjoch Rippengewölbe auf Konsolen; in der nördlichen Chorwand transloziertes Rundbogenportal mit Kleeblattympanon und Tür des 18. Jh.

Im Langhaus flachbogige Kreuzgewölbe mit dünnen Rippen zwischen Gurtbögen auf flachen Wandpfeilern und schwarzen Granitsäulen mit hohen Basen, Schaftringen und Blattkapitellen; in der nördlichen Vorhallenwand kleine polygonale Taufkapelle.

Ausstattung überwiegend aus der Erbauungszeit, darunter drei gut erhaltene Fensterverglasungen im Chor; ferner Einzelobjekte des 16.—18. Jh. einschließlich einer Holzfigur des hl. Dionysius (18. Jh.) und des beschnittenen Hauptaltarblattes (Grablegung, 17. Jh.); in der Sakristei barocke Augsburger Strahlenmonstranz. Zugehörig der die Kirche umgebende Friedhof mit Umfassungsmauer; zum Pfarrhaus hin in die Friedhofmauer eingesetzt Spolie eines Wegekreuzes aus dem 18. Jh. mit angewittertem Sandsteinkorpus in bäuerlichen Formen.

Image

Schwerfener Hauptstraße/Ost-straße
Wegekreuz
2. H. 18. Jh.

Buntsandstein, etwa 2 m hoher Kreuzespfeiler, einstufiger Sockel, Konsole und Nische, darüber Darstellung der Mater Dolorosa; Kreuz und Korpus erneuert, mit Steinersatz restauriert.

Image

Schwerfener Hauptstraße/An der Erk
Wegekreuz
1774

Etwa 3,5 m hohes Wegekreuz aus Buntsandstein, Schaft und Sockel erneuert; Kreuz mit fast vollplastischem Korpus in einfachen Formen.

Image
Image

Alte Bachstraße/An der Gülichs-burg
Missionskreuz
Spätes 18. Jh., 1858 erneuert

Sockel und Pfeiler aus hellem Sandstein, etwa 2 m hoch; Sakramentsnische mit Lorbeerkranz umgeben, Konsole erneuert, über der Nische Darstellung der Mater Dolorosa, darüber gotisierendes Nasenkreuz aus Buntsandstein von 1858.

Image

Römerstraße/ Abzweig nach Irnich
Wegekreuz
Mitte 19. Jh.

Gußeisernes Wegekreuz auf profiliertem Sandsteinsockel, etwa 1,5 m hohes gußeisernes Kreuz mit durchbrochenen Ornamenten, im Unterteil Mutter-Gottes-Relief; kleiner gußeiserner Korpus.

Image

An der B 477 Richtung Gehn
Wegekreuz
Inschriftlich datiert 1904

Etwa 5 m hoher Aufbau aus Sandstein auf kräftigem Sockel; schlichte neugotische Formen: im Pfeiler gotisierendes Maßwerkfeld mit verwitterter Inschrift: darüber hohe Sakramentsnische mit Dreipaßkalotte und kleiner Sakramentskonsole; auf Faltdachabschluß Nasenkreuz mit gutem, originalem hölzernem Korpus.

Image
Image

Schwerfener Hauptstraße 5

Ende 18. Jh.

Kleine Fachwerkhofanlage; zweigeschossiges Traufhaus in Stockwerksbauweise, Giebelseite pfannenverkleidet; eingehälste Ankerbalken, Fenster modern erneuert; Satteldach, im rechten Teil Tordurchfahrt; im Hof Fachwerkscheune.

Image
Image

Schwerfener Hauptstraße 19
18. Jh.

Fachwerkwinkelhof; ehemaliges Wohnstallhaus, giebelständig, zweigeschossig, Stockwerksbau-weise; erneuertes Satteldach; Fenster alle vergrößert, an der Längsseite alte Teilung erkennbar; rückwärtig Stall und Scheunenteil.

Image
Image

Schwerfener Hauptstraße 24/An der Gülichsburg 2
17. Jh.

Eineinhalbgeschossiges, kleines Fachwerkhaus, ehemaliges Wohnstallhaus in Stockwerksbauweise mit durchgezapften Ankerbalken, Straßenseite leicht vorgekragt, mit pfannenverkleidetem Giebel, Vorderteil vollständig verputzt, Satteldach; durch Umbauten, Fensterveränderungen und Dachausbauten stark verändert, aber für den selten gewordenen Haustyp noch anschaulich in Proportion und Umriß erhalten.

Image
Image
Image
Image

Schwerfener Hauptstraße 29/Pfarrer-Krumscheid-Straße
Wohnhaus und Fachwerkscheune
18. Jh., mit Wirtschaftsgebäuden teilweise des 19. Jh.

Fachwerkhofanlage, vierflügelig um Innenhof, Wohnhaus zweigeschossig, zur Hauptstraße unter abgeschlepptem Pultdach Anbau; durchgezapfte und eingehälste Ankerbalken, große gebogene Schrägstreben; überwiegend alte Fensterteilung erkennbar, Fenster 1. H. 19. Jh.; Satteldach; Innenausbau im wesentlichen erhalten; Scheunen und Stallbauten anschließend in Fachwerk und Bruchstein mit Satteldächern und Krüppelwalm; trotz mehrfacher Veränderungen bedeutend für Ortsbild und -maßstab.

Image
Image

Schwerfener Hauptstraße 42
Inschriftlich datiert 1790

Fachwerkhofanlage; zweigeschossiges Traufhaus in Geschoßbauweise; eingehälste Ankerbalken, profiliertes Stockgesims, in der rechten Haushälfte Tordurchfahrt, im Obergeschoß ein durchgezapfter Ankerbalken; Satteldach; alle Fensteröffnungen modern, Gefache teilweise modern ausgemauert: Wirtschaftsgebäude stark erneuert, im Hof Quertennenscheune.

Image
Image

Udelsgasse 3
17./18. Jh.

Kleines Wohnstallhaus, Fachwerk, zweigeschossig, giebelständig mit pfannenverkleidetem Giebel, vorderer Teil lehmverputzt; Satteldach; anschaulich durch die weitgehend maßstäbliche Erscheinung.

Image
Image

Udelsgasse 6
Inschriftlich datiert anno 1769 (Giebelfassade des OG), Baukörper ansonsten 17. Jh.

Zweigeschossiges, giebelständiges ehemals dreiräumiges Wohnstallhaus, Fachwerk in Geschoßbauweise mit auf den Deckenbalkenenden vorgekragtem Obergeschoß, Schrägstreben; Schwellbalken des Obergeschosses mit Datierung und Inschrift; durchgezapfte Bundbalken; Stallteil durch neuere nicht denkmalwerte Bauteile ersetzt; insgesamt in Gerüst und Struktur das Fachwerk noch weitgehend original; originale Fenstergrößen im Fachwerk ablesbar, heutige Fenster vergrößert.

Image
Image

Zum Kiesel 11
Pfarrhaus
1886

Zweigeschossiger traufenständiger Massivbau aus unverputzten Sandsteinquadern; drei Achsen mit Eingang in der Mittelachse, Freitreppe, schlichte Gliederungen durch einfach profilierte Gesimse, Rotsandsteingewände, originale Sprossenteilung; Tür modern; Satteldach; insgesamt weitgehend originaler Zustand, recht repräsentativer Bau in ortsbildprägender Lage; zugehörig straßenseitige Mauer aus hammerrechtem Bruchstein mit eingesetzter Blausteinspolie möglicherweise von romanischem Taufstein.